Eine kleine Geschichte

„Sie fühlte sich immer wie ein kleines unschuldiges Wesen, dass immerzu vor sich hin lächelte und verträumt war. Sie fühlte sich zeitlos. Sie lebte in ihrer eigenen Welt, in der es so ganz anders war.

Sie wollte immer hinaus, sich zeigen. Sie war so unverblümt, so kindlich naiv, sie konnte nicht nachtragend sein und sie konnte sich einfach nicht mitteilen.
Das was sie wollte war als das erkannt zu werden was sie glaubte zu sein. Sie wollte ein Teil von allen sein, sie wollte einfach nur das diese anderen sie so sehen konnten. Diese Liebe sehen konnten, diese Güte sehen konnten…
Doch es gelang ihr nicht als das wahrgenommen zu werden. Und sie fragte sich immer wieder worin der Fehler lag. Sie verstand das Verhalten der Menschen nicht, die ihr näher waren als andere.
Sie sah die Verbindung nicht zwischen dem was sie sagten und dem was sie taten. Sie hörte zwar die Bekenntnisse das man sie lieben würde und das sie wertvoll wäre – doch sie spürte es nicht. Ihr ging nicht in den Kopf warum sie das nicht empfand.
Sie stieß sich so oft den Kopf, weil sie einerseits so leichtgläubig war und anderseits so vollkommen ohne Gedächtnis 😉
Sie brauchte manchmal nur einen Funken in den Augen des anderen zu sehen – und schon hatte sie alles wieder vergessen. Sie war sofort wieder mit ihrer vollkommenen Unschuld ganz bei den anderen – und stieß sich den Kopf.
Sie verstand diese eine Welt einfach nicht. Was wollte sie den schon? Sie brauchte keine sichtbaren Geschenke, sie wollte gar nicht überhäuft werden mit Floskeln der Anerkennung, eigentlich wollte sie – nichts! Zumindest nichts erklärbares 🙂
Sie wollte nur dieses Gefühl – ja sie sehen mich, mich!

In Zeiten des nicht erreichten, zog sie sich zurück. Es war fast so, als ob da was wäre in das sie hineinversank, das sie auffing und tröstete. Je öfter sie dorthin zurück versank, umso mehr verwandelte sich dieses etwas Schützendes, und immer mehr zu einen Bunker mit dicken Außenmauern.
Umso öfter sie dort Schutz suchte, umso stärker wurden scheints diese Mauern. Jedesmal wenn sie innerhalb dieser Mauern war, schwor sie sich nicht mehr hinaus zugehen. Doch sie war immer sofort wieder dieses kleine unschuldige Wesen, naiv und voller Liebe, das sich ohne nachzudenken sofort wieder bei jedem kleinen Gefühl der Anerkennung anderer hinaus in deren Welt begab.

Viele Jahre zogen ins Land, im außen hatte sich jede Menge verändert. Man könnte meinen sie ist Erwachsen geworden. Das Leben hat sie vor vielen Herausforderungen gestellt. Und ihr Lieblingsort ist der Bunker geworden, na gut, Lieblingsort war etwas übertrieben.
Denn ehrlicherweise musste sie sich eingestehen, dass er mittlerweile eher ein Gefängnis war, von den sie nur noch selten Ausgang bekam. Dieser Ort gab ihr vor hier sicher und geschützt zu sein, er erzählte ihr das es töricht wäre sich immer wieder nach draußen zu begeben.
Sie wusste zwar dass das so nicht stimmte, gleichzeitig wusste sie aber auch das er recht hatte.

So wirkte sie meistens verwirrt und abwesend. Ständig war sie mit sich selber beschäftigt, doch hinter diesen Mauern erkannte das niemand. Sie suchte nach Möglichkeiten diese Mauern wieder einzureißen.
Diese hatten jedoch irgendwann begonnen ein Eigenleben zu produzieren, und wollten nicht mehr Platz machen. So lebte sie quasi zwei Leben.

Es drängt sich die Frage auf, ob sie es jemals schaffen würde die Mauern zu verlassen. Sie hatte lange Zeit dieser Frage auf den Grund zu gehen. Vieles hat sie unternommen um an Antworten zu kommen, von allen Seiten hat sie das Problem betrachtet. Jede Menge Praktiken hat sie erlernt und manche gleich wieder verschmießen. Wie konnte sie Hilfe finden, wo sie sich doch gar nicht erklären konnte? Viele meinten es sicherlich gut mit ihr, doch keiner nahm sie ernst. Niemand kam bis an den Kern ihres Problems, niemand sah sie wie sie sich sah.
Es gab manche die sahen ihr Problem einfach nicht und taten so als wäre einfach keines da, oder redeten ihr überhaupt ein anderes ein.
Andere hingegen meinten sie bemitleiden zu müssen, beteuern zu müssen wie arm sie doch sei. Sie hasste das, was war arm daran! Arm waren doch die, die nicht sahen wieviel man doch geben konnte ohne gleich wieder etwas zurück bekommen zu müssen. Arm waren die, die anrüchig damit umgehen müssen da sie nicht verstehen das man einen nicht „lieben“ muß um ihn Liebe zu geben. Arm waren die, die meinten man wäre einen ausgeliefert, da man blöd sein müsste wenn man ohne Hintergedanken etwas Gutes tut.

Ja, sie fühlte sich manchmal arm. Doch nur weil es scheinbar so viel Missverständnis gab und sie keine Worte dafür hatte sich zu erklären.

Äußerlich sah man die Jahre die vergangen waren, innerlich schien die Zeit still gestanden zu sein. Sie war noch immer dieses unschuldige naive Wesen voller dieser unbeschreiblichen Güte und Liebe, die einen immer wieder dazu veranlasst alles zu geben und alles für jeden zu tun, aus einen Impuls heraus ohne zu überlegen.
Erst jetzt erkannte sie, dass das genau das ist was sie zu tun liebt. Und sie fing es einfach an, wieder zu leben, es wartete nur darauf auch gelebt zu werden.
Der Weg war nicht einfach, die Hürde sehr groß. Sie kam auf vieles drauf, was vorher nicht so aussah.
Alles ist gleichgeblieben, und doch hat sich alles verändert.

Gut gemeinte Ratschläge, Glaubensätze und Überzeugungen haben sich in diese Mauer, die als Schutz dienen sollte, eingebrannt. Es galt diese aus zu sortieren – die guten ins Töpfchen, die schlechten in Tröpfchen.
Sie erkannte das viele sie in den Mauern hielten, sie fast unüberwindbar machten. Viele dieser Glaubensätzte waren gar nicht ihre, die hatte sie einfach übernommen.
Viele Glaubensätze waren gleich wie die Mauer, sie gaben vor ein Schutz zu sein, und doch hinderten sie einen nur daran seins zu leben. Was war zum Beispiel falsch daran nur zu geben? Warum sollte sie da gleich wieder ans nehmen denken  müssen? Immer wenn sie in sich hineinfühlte, fühlte sie sich frei bei den Gedanken einfach handeln zu können ohne darüber nachzudenken ob sie es wieder zurück bekam.

Sie kriegte es immer zurück. Das Leben selber gab es ihr zurück! Erkannten das die anderen denn nicht? Es kommt doch nicht darauf an, ob sie es von der einen Person zurück bekam in der sie etwas gegeben hat, sondern nur darauf das sie es zurück bekam!

Sie suchte Wege und fand Wege. Manche waren Sackgassen und manche führten in die Irre. Doch jeder einzelne Weg lehrte sie zu verstehen.
Sie musste die Mauer gar nicht einreißen, sie brauchte nur die Verbindung zwischen beiden Seiten sehen und vereinigen. Sie konnte beide Seiten nutzen, und das eine ins andere bringen. Ja, sie hatte genug zu tun. Sie liebte das was sie tat. Und sie würde es weiterhin tun, egal wie oft sie sich den Kopf stößt, egal wie oft sie es versuchen müßte – irgendwann wird eine Verbindung dasein.
Bilder halfen ihr ihren Weg zu gehen, und hierfür sah sie immer das eine Bild einer Hängebrücke aus Seilen. Wie oft muss man wohl von einer Seite zur anderen hanteln bis eine sichere Verbindung vorhanden ist die einen trägt?

Sind die Verbindungen einmal da, konnte jeder sie benutzen der diesen Weg gehen möchte. Es ist nicht notwendig das jeder seine eigene Hängebrücke baut. Nutzt man das was schon vorhanden ist, kommt man bedeutend schneller voran.

Brückenbauer! War sie einer? Wegbereiter? Wahrscheinlich. Wahrscheinlich war sie einer. Das würde dann auch passen. Denn ist es nicht so, dass man nur die Brücke sieht und nicht den der sie gebaut hat?“

493274_web_R_B_by_M. Helmich_pixelio.de

Bildquelle: M. Helmich / pixelio.de

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s